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GCI MANAGEMENT AG (FRA:GCI) Original-Research: MS Industrie AG (von Montega AG): Kaufen

Transparenzrichtlinie : geregelte Berichte

22/04/2020 13:06

01/09/2020 14:01
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04/09/2019 10:52

Original-Research: MS Industrie AG - von Montega AG

Einstufung von Montega AG zu MS Industrie AG

Unternehmen: MS Industrie AG
ISIN: DE0005855183

Anlass der Studie: Update
Empfehlung: Kaufen
seit: 22.04.2020
Kursziel: 2,20
Kursziel auf Sicht von: 12 Monaten
Letzte Ratingänderung: -
Analyst: Patrick Speck

Geringe Visibilität, aber viel Value – Bewertung signifikant unter Buchwert trotz Krisenjahr 2020 nicht gerechtfertigt

Die Aktie von MS Industrie ist im März angesichts der schwerwiegenden Folgen der „Corona-Krise“ für den übergeordneten Automotive-Sektor in einen Abwärtssog geraten. Wenngleich ausgehend von den Tiefstständen mittlerweile eine gewisse Erholung stattfand, rangiert der Kurs nach wie vor rund 50% unter Buchwert. Wir haben vor diesem Hintergrund einen virtuellen Round Table mit dem Vorstand und ausgewählten Investoren veranstaltet.

Schwierige Lage der Automobilindustrie betrifft beide Segmente: Mitte März mussten Großkunde Daimler sowie andere wichtige Abnehmer wie MAN, ZF, Magna oder Liebherr mit kurzfristigen Produktionsstops auf die drastische Verschärfung der Corona-Pandemie reagieren. Infolge dessen reduzierte auch MS Industrie an den beiden deutschen Powertrain-Standorten Trossingen und Zittau die Tätigkeit auf Minimalbetrieb und meldete für rund 90% der Powertrain-Belegschaft Kurzarbeit an. Der Auslastungsgrad der Fertigung belief sich in dieser Phase auf lediglich ca. 5%. Den Umsatzausfall bezifferte der Vorstand auf rund 2 Mio. Euro pro Woche, so dass ausgehend von einer teilweisen Wiederaufnahme der kundenseitigen Produktion seit 20. April für 2020 mit Umsatzeinbußen i.H.v. insgesamt rund 15 Mio. Euro gerechnet wird. Die Stillstandszeiten nutzt das Unternehmen für Maßnahmen zur Prozessoptimierung sowie Schulungen und Instandhaltungen.

Auch im Segment Ultrasonic liegt die Auslastung am Standort Spaichingen mit etwa 60% derzeit deutlich unter Normalniveau. Die Fertigung in Webberville (USA) wurde sogar bis 30. April per Dekret gänzlich geschlossen, allerdings stellte die US-Regierung gewisse Kompensationszuschüsse in Aussicht („Paycheck Protection Program“). Abgesehen von den derzeitigen Corona-bedingten Verzögerungen im Auftragseingang weist der Absatz der Ultraschall-Sondermaschinen normalerweise keinen direkten Bezug zu den Automobil-Produktionszahlen auf und erfolgt vielmehr antizyklisch. Dies erscheint angesichts der vielfältigen Problemstellungen der OEMs (kurzfristig akute Absatzschwäche, evolutionärer Umstieg auf Elektromobilität, drohende EU-Strafzahlungen durch Flottengrenzwertverstöße etc.) im diesjährigen Marktumfeld aber nicht mehr gegeben.

In 2020 dürften die Erlöse im Bereich Powertrain (2019: ca. 140 Mio. Euro exkl. USA) wie auch im Sondermaschinenbau (2019: ca. 55 Mio. Euro) daher deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen. Da durch die gedrosselte Produktion auch ein Großteil der variablen Kosten (u.a. Material, Energie) entfällt, sollte die Rohertragsmarge jedoch lediglich moderat sinken und der operative Verlust in erster Linie aus den Abschreibungen resultieren. Die Visibilität für das laufende Geschäftsjahr halten wir jedoch noch für sehr gering.

Anorganische Wachstumspläne von Krise unberührt: Der sehr gut ins Jahr gestartete Teilbereich der Ultraschall-Serienmaschinen (Auftragseingang bis Februar ca. 1 Mio. Euro) wird gegenwärtig durch die deutliche Einschränkung der Vertriebstätigkeit sowie die Absage oder Verschiebung von Fachmessen ausgebremst. Eine Unterschreitung des Umsatzziels von 5+ Mio. Euro erscheint nach Angaben des Vorstands daher möglich, so dass auch der avisierte Break-Even im laufenden Jahr nicht sicher erreicht werden kann. Dennoch treibt MS Industrie die Stärkung dieses u.E. äußerst zukunftsträchtigen Geschäftsbereichs nach wie vor unbeirrt voran, was auch anorganisches Wachstum mit einbezieht. Hierbei berichtete der Vorstand über Gespräche mit einzelnen potenziellen Targets.

Markterholung und Neuaufträge sollten Umsatz ab 2021 wieder treiben: Für 2021 gehen wir zwar von einer spürbaren Erholung in beiden Segmenten aus, in Summe dürften die Umsätze trotz des u.E. planmäßigen Anlaufens des Scania-Auftrags ab Mitte nächsten Jahres (MONe: Umsatzbeitrag 2021 ca. 6 Mio. Euro) aber noch leicht unter dem (organischen) Vorkrisenniveau liegen. Da wir die Diesel-Antriebstechnologie im Schwerlast Fernverkehr auf der Straße perspektivisch für weitgehend alternativlos halten, sehen wir die mittelfristigen Wachstumstreiber aber nach wie vor als intakt an. Die Umbauten ganzer Modellpaletten durch die Automotive-OEMs (sowie folgende Face-Lifts) sollten zudem notwendigerweise mit strukturellen Investitionen in neue Fertigungskapazitäten einhergehen.

Restrukturierung führt zu nachhaltiger Kosteneinsparung: Das von uns avisierte Wachstum sollte ab 2021 ff. wieder in einer spürbaren Margenerholung münden. So dürften die Prozessoptimierungen in Trossingen und Zittau sowie der damit verbundene Mitarbeiterabbau zu nachhaltigen Personalkosteneinsparungen von knapp 6 Mio. Euro p.a. führen. Durch die nun für Ende April geplante Installation einer neuen Rundtakter-Maschine (Standort Trossingen) wird MS Industrie zudem den Automatisierungsgrad deutlich erhöhen, so dass wir für 2021 eine Erholung der Konzern-EBIT-Marge auf >3% bzw. bis 2025 eine Steigerung des Margenniveaus auf >6% erwarten. Dazu sollten die Serienmaschinen und der Bereich Systeme & Komponenten mit einer Zielmarge von >20% überproportional beitragen.

Niedriger Aktienkurs überzeichnet Schwächephase deutlich: Wenngleich aufgrund der „Corona-Krise“ von einem operativen Verlustjahr ausgegangen werden muss, halten wir die mittel- und langfristigen Ertragsperspektiven für vielversprechend und können die aktuelle Marktbewertung signifikant unter Buchwert (KBV 2020e: 0,5x) daher nicht nachvollziehen. Die auf den ersten Blick hohe Nettofinanzverschuldung i.H.v. rund 46 Mio. Euro (per 30.06.2019) dürfte sich allein aufgrund der bis 2022 fälligen Restforderungen gegenüber Gnutti über insgesamt rund 15 Mio. Euro (aus der Veräußerung des US Weltmotorgeschäfts in 2019) auf etwa 30 Mio. Euro reduzieren. Dabei ist laut Vorstand die Zahlung einer Tranche über umgerechnet rund 5,5 Mio. Euro jüngst bereits pünktlich erfolgt.

Großteil des Aktienrückkaufprogramms steht noch aus: Neben dem fundamental u.E. überzogenen Abverkauf der Aktie sollte sich auch aus der Wiederaufnahme des Aktienrückkaufprogramms nach Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2019 eine gewisse Kursbelebung ergeben. Zwar war dieses mit dem geplanten Erwerb von bis zu 250.000 Aktien (entspricht rund 0,8% des Grundkapitals) bis zum 31. Dezember 2020 von Beginn an überschaubar angelegt, jedoch steht mit ca. 185.000 Stücken immerhin das Gros noch aus.

Fazit: Der Aktie von MS Industrie scheint im Zuge der „Corona-Panik“ derzeit jegliche Phantasie abhanden gekommen, die noch bis vor kurzem insbesondere vom Segment Ultrasonic und den (anorganischen) Wachstumsplänen in diesem Bereich ausging. In einem schwierigen Marktumfeld dürfte 2020 zu einem Krisenjahr werden, dies rechtfertigt u.E. aber nicht die signifikant unter Buchwert rangierende Bewertung. Nach Anpassung unserer Prognosen reduzieren wir das Kursziel auf 2,20 Euro (zuvor: 2,70 Euro), halten die Aktie unter Value-Gesichtspunkten aber für klar unterbewertet.

+++ Diese Meldung ist keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Abschluss bestimmter Börsengeschäfte. Bitte lesen Sie unseren RISIKOHINWEIS / HAFTUNGSAUSSCHLUSS unter http://www.montega.de +++

Über Montega:

Die Montega AG ist eines der führenden bankenunabhängigen Researchhäuser mit klarem Fokus auf den deutschen Mittelstand. Das Coverage-Universum umfasst Titel aus dem MDAX, TecDAX, SDAX sowie ausgewählte Nebenwerte und wird durch erfolgreiches Stock-Picking stetig erweitert. Montega versteht sich als ausgelagerter Researchanbieter für institutionelle Investoren und fokussiert sich auf die Erstellung von Research-Publikationen sowie die Veranstaltung von Roadshows, Fieldtrips und Konferenzen. Zu den Kunden zählen langfristig orientierte Value-Investoren, Vermögensverwalter und Family Offices primär aus Deutschland, der Schweiz und Luxemburg. Die Analysten von Montega zeichnen sich dabei durch exzellente Kontakte zum Top-Management, profunde Marktkenntnisse und langjährige Erfahrung in der Analyse von deutschen Small- und MidCap-Unternehmen aus.

Die vollständige Analyse können Sie hier downloaden: http://www.more-ir.de/d/20597.pdf

Kontakt für Rückfragen
Montega AG - Equity Research
Tel.: +49 (0)40 41111 37-80
Web: www.montega.de
E-Mail: research@montega.de

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Für den Inhalt der Mitteilung bzw. Research ist alleine der Herausgeber bzw. Ersteller der Studie verantwortlich. Diese Meldung ist keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Abschluss bestimmter Börsengeschäfte.